Ein Herz für Walker?

by consta on Juli 11, 2009

herz-fuer-walkerDerzeit bin ich sehr aufgeregt wegen Walker, Läufer, Skater und Co. Das ist nicht gut. Ich versuche jetzt meine Aufregung zu erklären.

Alles hat mit Achim Achilles angefangen. Ich mag sehr, was der Mann macht, ich mag sein Humor, ich respektiere seinen Einsatz beim Popularisieren des Laufens. Aber Achim Achilles mag Walker nicht. Achim Achilles hat ein Buch veröffentlicht, das “Das Walker-Hasser-Manifest” heißt. Man sieht ihn oft in einem T-Shirt, wo drauf ein durchgekreuzter Walker abgebildet ist. Ja, dass das alles nur satirisch gemeint ist, ist mir schon klar. Mir ist auch klar – jeder, der im Mediengeschäft mitmacht, braucht ein Markenzeichen.

Gehen wir weiter. Es gibt einen Blogger, der sich „Der ewige Anfänger“ nennt. Ein netter Typ, der vor kurzem eine prima Idee ausgedacht hat: die Blogathlon-Deutschland-Staffel. Was kann besser sein, um die laufenden Blogger zusammen zu bringen? Ich liebe diese Idee, und ich würde sie viel lieber in einem anderen Artikel vorstellen, als in diesem. Aber der Achilles Ruhm gibt dem Blogger anscheinen keine Ruhe. Neulich findet er neue Opfer, die Skiker oder Cross-Skater. Sie sehen wie Walker aus, nur mit Skates. Es mag sein, Skiking sei auch nur eine Trend-Erscheinung, die derzeit sehr von Kommerz geprägt ist; mir geht es jetzt nicht darum. Der Blogger schreibt einen bissigen Artikel zum Thema, danach noch einen, alles natürlich ironisch gemeint.

Und jetzt kommen wir zu meinem Problem. Ich hab’ nichts gegen Ironie, ich halte Walking auch für eine fragwürdige Sportart, aber ich bin grundsätzlich gegen Verspottung und Abgrenzung aller Menschen, die irgendwas tun, was andere für komisch oder unnötig halten. Die gute alte Neigung, unseren nächsten zu erniedrigen, und damit besseren Platzt unter der Sonne für sich zu sichern, ist uns allen gut bekannt. Es ist viel leichter sich als cooler Typ zu positionieren, wenn man in der Nahe einen schwachen hat. Dann sind eigene Schwäche nicht so auffällig.

Ich vermute, dass oben genannte satirische Beispiele meistens nur von Insidern verstanden werden können. Wie sich die angegriffenen Skiker fühlen, kann man hier nachlesen. Mich selbst fasziniert, dass der ewige Anfänger sogar stolz auf solche Reaktion ist. Deswegen riecht mir das ganze eher nach einem banalen Mobbing, das mit Sport, Gesundheit und gute Laune überhaupt nichts zu tun hat.

Was haltet ihr davon, meine liebe Leser? Geht es hier um Ironie oder fehlenden Respekt? Gibt es eine Grenze, nach der Satire zur Beleidigung wird? Sind wir schon nah dran genug, um darüber nachzudenken?

Ich kann es mir gut vorstellen, dass ich wegen all dieser Geschichte einfach überreagiere, dass ich keinen Humor verstehe und nur ein Spielverderber bin. Aber ich halte immer noch das Word „Hass“ für keinen guten Anfang eines Buches, das sogar ironisch gemeint ist. Deswegen habe ich diese Rezension des Buches als “Hilfreich” markiert. Leben und leben lassen.

Ich gehe jetzt lieber skaten. Oder laufen. Das sind die besten Mitteln gegen Aufregung.

3 comments

Lieber Consta,
vielen vielen Dank für deinen vernünftigen Artikel!!

Ich war die letzten Tage sehr versucht, auch etwas mehr darüber zu schreiben, wie es mir bei dieser “Diskussion” ging, aber weder das Forum noch den Blog fand ich dafür den richtigen Ort. Und einen eigenen Blog habe ich nicht, im Gegenteil, ich hatte keine Ahnung, was sich inzwischen für eine riesige Info-Vernetzung gebildet hat (mit Blogs und Twitter und und trackbacks etc), obwohl ich seit über 20 Jahren am Rechner arbeite.
Ich bezeichne mich selber als Sportler. Mir ist egal, was kommt, aber Sport ist mein Leben. Ich habe so ziemlich alles ausprobiert, was mir über den Weg gelaufen ist. Ich bin dann bei den Sportarten hängengeblieben, die mir den nettesten sozialen Kontakt boten. Zur Zeit sind das Leichtathletik, Squash und Nordic Cross Skating, die ich intensiver betreibe.

Consta, deine im Artikel angegeben Links habe ich gerade durchgearbeitet und ich war tatsächlich etwas geschockt. Mir ist nicht klar gewesen, dass die in den Blogs erwähnte “Polarisation” tatsächlich bedeutet, sich so weit wie möglich voneinander zu entfernen; und nicht, wie ich vermutet hatte, Schwächen und wunde Punkte einfach mal mit spitzer Zunge zu formulieren.

In einem Kommentar zum “ewigen Anfänger” hatte ich geschrieben, dass mir seine Ironie liegt, und das stimmt. Ich finde, er kann sehr gut formulieren und ich drücke mich oft sehr ähnlich aus. Allerdings gibt es einen Unterschied: ich würde NIE etwas beurteilen, das ich nicht selber schon mal gemacht habe oder auf dessen Seite ich mal stand.
Im Gegenteil, ich habe selber schon genug Erlebnisse gehabt mit Kommunikation und der Gewalt, die sie ausüben und dem Schmerz, den sie verursachen kann. Aus diesem Grund habe ich immer ein großes Interesse, zu erfahren, was dahintersteckt, also was der Antrieb ist für ein Verhalten, das mir selber fremd ist. Ich möchte so gerne verstehen. Denn ohne das geht es nicht weiter – schon gar nicht, indem man selber überreagiert oder polarisiert.

Was mich interessiert hatte beim “ewigen Anfänger”: wie geht er damit um, wenn er eingeladen wird, als Drittes mal “die andere Seite” zu besuchen/selber kennen zu lernen, nachdem er 1. gesehen und geurteilt und 2. recherchiert und geurteilt hat. Und seine Reaktion, das nicht sofort abzulehnen, ist für mich entscheidend dafür, ihn auch weiterhin für einen humorvollen Menschen zu halten und die Tür nicht zuzuschlagen.

Und zum Schluss kann ich mir das hier nicht verkneifen: ich wundere mich, dass Nordic Walker und Nordic Skater in einen Topf geschmissen werden. Das käme mir nie in den Sinn. Für mich ist das relevante Kriterium, Sportarten miteinander zu vergleichen, nicht das Benutzen von Stöcken, sondern die Art der Fortbewegung. Für mich gehörten und gehören (Nordic)Walker und Läufer absolut in denselben Topf, denn sie erarbeiten sich jeden Streckenmeter selber. Im Gegensatz dazu stehen die Sportarten, bei denen man sich tierisch anstrengt, um Schwung zu holen, und dann eine Phase des Rollens oder Gleitens hat.
Man kann selber rausfinden, welcher Typ man ist: man darf entscheiden, ob man für eine 200-Meter Strecke die Füße oder ein Fahrrad benutzt. Das Fahrrad ist am Start angeschlossen, muss also noch aufgeschlossen und am Ziel wieder angeschlossen werden.
Nun ja, ich selber würde mich immer für das Rad entscheiden . Wenn ich nach dem Aufschließen 100 Meter lang ordentlich in die Pedale trete, kann ich die restliche Strecke rollen ;)

Für mich war Sport immer DAS Verbindende. Sportler gehen untereinander fair und tolerant miteinander um. Und ich irre mich nicht :-D

Gruß, Andrea
..und ich gehe jetzt mit meiner supernetten Peergroup zusammen Skaten!

by anki on 11. Juli 2009 at 17:59. #

consta

Aber der Achilles Ruhm gibt dem Blogger anscheinen keine Ruhe.

Mach’ Dir mal keine Sorgen, Consta, ich bin Achilles-Fan der ersten Stunde, gönne ihm seinen Erfolg und schlafe nachts ganz ausgezeichnet. Der Mann ist hauptberuflich Journalist, ich würde nicht im Traum darauf kommen, mich an oder mit ihm messen zu wollen.

Der Blogger schreibt einen bissigen Artikel zum Thema, danach noch einen, alles natürlich ironisch gemeint.

So nicht richtig, dazwischen steht eine Reaktion der Skiker.

ich halte Walking auch für eine fragwürdige Sportart

Ich nicht, jedenfalls nicht im Grundsatz. Und wer von uns beiden tätigt jetzt fragwürdige Aussagen?

aber ich bin grundsätzlich gegen Verspottung und Abgrenzung aller Menschen

Da sind wir uns ja einig. Und ich verspotte sicher auch nicht einzelne Menschen, sondern eben eine Sportart. Was hat das mit Erniedrigung zu tun? Wenn sich jemand persönlich beleidigt fühlt, weil sein Sport durch den Kakao gezogen wird, dann kann ich doch nichts dafür.

Wie sich die angegriffenen Skiker fühlen, kann man hier nachlesen.

Die armen Skiker. Übrigens werden die persönlich! Aber diese armen Menschen sind ja die Opfer!

Gibt es eine Grenze, nach der Satire zur Beleidigung wird?

Man kann doch keine Sportart beleidigen. Eine Einzelperson schon. Bitte nochmal über Täter-/Opfer-Vertauschung nachdenken!

Ich kann es mir gut vorstellen, dass ich wegen all dieser Geschichte einfach überreagiere, dass ich keinen Humor verstehe und nur ein Spielverderber bin.

Durchaus denkbar.

by der ewige Anfänger on 12. Juli 2009 at 11:55. #

[...] wollte ich nicht mehr zu dem Thema schreiben. Aber heute bin ich auf einen Artikel in der Fuldaer Zeitung gestoßen, und da wurde es [...]

by Menschen mit Stöcken on 17. Juli 2009 at 18:12. #

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