Berlin 2009

by consta on September 21, 2009

Jetzt bin ich traurig. Ab heute ist der Berlin-Marathon kein Traum mehr, er ist bereits Geschichte. Vor zwei Jahren dachte ich zum ersten Mal über die Möglichkeit nach, in Berlin die 42km-Strecke zu skaten; vor einem halben Jahr wurde die Reise gebucht, und jetzt sitze ich im Zug nach Köln und versuche es zusammen zu fassen, wie mein erster Berlin-Marathon gelaufen ist. Von Berlin kann ich nicht mehr träumen, ich kann mich daran nur erinnern.

Ich bin auch deswegen traurig, weil mit dem Marathon es nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgenommen habe. Soll ich es mal erzählen?

Irgendwo habe ich mal gelesen, ein gutes Rennen ist das Rennen, an das man sich nicht mehr erinnern kann. Jetzt kann ich das gut nachvollziehen – an die ersten 38 km kann ich mich nur bedingt erinnern. Also, Start – ich fließe in riesiger Menschenmasse, die Masse bewegt sich verdammt schnell, und ich will nicht sogar ansatzweise daran denken, was mir hier passieren kann im Falle eines Sturzes. Die ersten 30 min des Rennens – man, ist das bereits eine halbe Stunde vorbei? Ich fliege weiter. 21 km – ich bin 46 min unterwegs, meine Halbmarathon-Bestzeit, alles läuft bestens. Ich skate wie in einem Traum. Von Berlin kriege ich nichts mit. Nur Kurven und andere Skater. Einmal grüßt mich ein Mann – überraschend erkenne ich in ihm einen Skater wieder, den ich oft am Fühlinger See in Köln beim Training treffe. Grandios. Einer von 7000. Die Wahrscheinlichkeit so eines Treffens ist gleich null. Ein nettes “Viel Erfolg” und wir skaten weiter.

Das böse Aufwachen kommt am 38. km. Ich bin nicht besonders müde, Atmung ist in Ordnung, aber ich merke plötzlich, meine Füße wollen die skates nicht mehr kontrollieren. Es ist so, als ob ich auf ein mal verlernt habe zu skaten. Absolut bescheuertes Gefühl, so was passierte mir noch nie. Ich reduziere die Geschwindigkeit in der Hoffnung, dass der Flucht schnell vorbei geht, aber es wird immer schlimmer. Im Schneckentempo passiere ich das Sony-Center, und fange langsam an mir sorgen zu machen, wie ich in diesem Zustand den Finish erreichen soll, ohne mir Beine dabei zu brechen. An mir flitzen all die Skater vorbei, die ich vorher überholt habe. Jetzt wird es noch recht peinlich dazu. Der Brandenburger Tor macht mir keine freunde, die Leute an Tribunen feuern andere Skater an – so ein Idiot wie ich verdient nicht, bejubelt zu werden. Finish, Medaille, alles egal – nur eine Gedanke im Kopf – schnellst aus den Skates, bevor meinen Füßen was böses passiert.

Später begreife ich – ich habe es doch geschafft. An den letzten Kilometern war es zwar blöd gelaufen, aber jetzt habe ich neue persönliche Bestzeit, 1:37:24. Immerhin 3 min schneller, als beim letzten Mittelrhein-Marathon.

Was lernt man daraus? Die Geschichte mit den Füßen ist ein klarer Fall der Selbst-Überschätzung. Die kam aber in einer unerwarteten Form. Es wäre interessant zu wissen, was das war. Fehlendes Krafttraining? Muss ich öfter lange Strecken skaten? Langsamer zu skaten? Nee, das letzte klingt doof.

Ich bin traurig, weil ich das nicht geschafft habe, was ich wollte. Aber ich habe es versucht, und bin um eine Erfahrung reicher geworden. Ich kenne jetzt meine Grenzen, die ich weiter schieben will. Ein bisschen Training, und es klappt bestimmt mit einem Marathon in 1:30. Sicher.

Und ich merke langsam, dass ich von dem nächsten Berlin-Marathon träume.

2 comments

So erging es mir vor 2 Jahren in Koblenz. Es war schrecklich zu erfahren , sich übernommen zu haben. Damals bin ich auch viel zu schnell angegangen.
Diesesmal in Berlin habe ich eine neue Erfahrung gemacht: Gegen aller Vernunft habe ich am Freitag vor dem Rennen mit Verwanten gefeiert. Bin zum Start mit einem leichtem Kater angetreten. Wollte nur einen lockeren Lauf hinter mir bringen und bin am Ende mit persönlicher Bestzeit ins Ziel gekommen. Ich suche nach Erklärungen:
War ich bisher zu Verbissen, dadurch verkramft am Start gegangen, oder ist Alkohol ein Dopingmittel? Egal, ich probiere es mit intensives Training auch im Winter.
Zur Zeit ist für mich die Saison beendet und ich bin froh diese Saison ohne Sturz beendet zu haben, trotz Regen in Essen, Koblenz und Duisburg.

Wünsche allen Kölnteilnehmern ein sturzfreies Rennen.

Lieben Gruß, Uwe

by Uwe Graßmann on 4. Oktober 2009 at 01:20. #

Hallo Uwe!

Die Geschichte mit dem Alkohol klingt gar nicht so verkehrt. Gerade vor kurzem habe ich irgendwo von einem Profi-Marathonläufer gelesen – der Mann trinkt am Abend vor dem Rennen immer ein Glas Champagner aus. Dadurch soll sein Ruhepuls am morgen danach erheblich sinken… Vielleicht ist die Methode auch beim Speedskating anwendbar? :)

Grüße,
Consta

by consta on 5. Oktober 2009 at 16:30. #

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