Die Reise nach Bielefeld

by consta on September 14, 2009

Wie bekloppt muss man eigentlich sein, um wegen eines Inline-Rennens am Sonntag um 6 Uhr aufzustehen und dann fast 200 km mit dem Auto zurückzulegen? Dabei geht es nicht um so was cooles, wie Berlin- oder Köln-Marathon, sondern die Rede ist von einem einfachen 12,5K Fitness-Lauf in Bielefeld, der in Rahmen von “Stadtwerke Run and Roll Day” ausgetragen wird. Freilich kann ich nicht erklären warum ich mir das angetan habe, aber ich war dort, und das war gut. Ich bin halt bekloppt.

Das schwierigste an dem Rennen war zuerst in Bielefeld anzukommen. Das Rennen fand an einer Autobahn statt, und meine Navi wollte mich immer wieder hartnäckig ins Sperrgebiet führen. Nach einer halbstündigen Irrfahrt durch Labyrinth der Bielefelder Straßen habe ich letztendlich die Dame in meinem Auto abgeschaltet, und dann klappte plötzlich alles bestens. Man muss sich ab und zu auf eigenen Kopf verlassen, und nicht den fremden Stimmen folgen.

Vor dem Rennen wurde ich vorgewarnt, die Strecke sei heimtückisch, man soll aufpassen, da es erstmal schön bergab geht und dann sehr-sehr lang bergauf. Deswegen soll man mit Kräften sparsam umgehen und sich nicht direkt an die Spitze stürzen. Das letzte hatte ich sowieso nicht vor, aber die Sache mit den Kräften machte mir wie immer Sorgen.

Die erste Teil des Rennens ging dann auch im Sparmodus. Der raue und teilweise nasse Asphalt bat nicht gerade die besten Voraussetzungen zum sprinten, aber irgendwann begann in mir der Verdacht zu wachsen – “du bist zu langsam”. Ein kurzer Blick auf die Uhr – 21 Km/Std. Ich hatte recht, so darf es nicht weiter gehen. Zum Glück, beschleunigte sich meine Gruppe in diesem Moment, und so haben wir zusammen bis zum Wendepunkt geschafft.

Danach ging es in dem mir schon bekannten entspannten Tempo weiter. Das machte kein Spaß mehr, und ich rannte wie verrückt nach vorne. Beim Überholen kritzelte im Kopf nur die Gedanke – “man, wie blöd wirst du jetzt hier stehen, wenn in fünf Minuten dich deine Kräfte verlassen, und du von der Gruppe wieder eingeholt wirst”. Die Kräfte haben mich nicht verlassen und irgendwann war es ruhig um mich herum geworden; ich genoss die Geschwindigkeit, war aber allein an der Strecke. Ich schaffe es immer wieder, in Rennen allein zu laufen. Das ist nicht richtig.

Zwischendurch überholte ich noch eine Gruppe. Dann hörte ich plötzlich ein Geräusch von hinten – jemand fuhr in meinem Windschatten! Cool, aber an die Rolle des Führenden muss ich mich auch noch gewönnen. Mindestens war ich jetzt nicht mehr allein.

Und dann kam das Finish. Das Rennen war vorbei, und die Kräfte waren immer noch da. 12,5 km in 00:28:58. Ich hatte das Gefühl, es könnte auch schneller sein. Oder war es genau richtig für so ein Hobby-Skater wie ich, ohne großer Rennerfahrung und Strecken-Kenntnissen? Nächstes Jahr werden wir es sehen.

In Umkleidekabine sprach mich ein Skater an, und nach kurzer Plauderei stellte mir der Mann meine Lieblingsfrage: “Woher kommst du eigentlich?”. “Aus der Ukraine”, antwortete ich. Der Mann guckte mich an, und fragte dann wieder – “aus Köln?”. Ja, stimmt, aus Köln – er hat wahrscheinlich mein “Cologne Cycling Connection”-Trikot gesehen. Das wäre aber richtig bekloppt gewesen, direkt aus Kiew zum Bielefelder Rennen anzureisen. Aber das Rennen war toll und auf jeden Fall die Reise wert. Bis zum nächsten Jahr, Bielefeld!

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