42,195 km von Köln

by consta on Oktober 6, 2009

Ich liebe den Köln-Marathon. Das ist wie die erste Liebe. Damit hat bei mir alles angefangen. Im Sommer 2007 kam mir die Schnaps-Idee in Sinn, bei einem Marathon mitzumachen. Das Laufen war für mich damals noch ein Fremdwort gewesen, aber an den Inliner konnte ich schon einigermassen gerade stehen.  Die Skates betrachtete ich also nur als eine sanfte Methode, 42 km aus eigener Kraft zu bewältigen. So, unter dem Motto “ja, ich habe einen Marathon geschafft”. Zwar an den Rollen, aber wen interessiert das schon? Und wenn es auch nur ein Marathon seien soll, auch nicht schlimm. Dachte ich mir.

Gestern skatete ich bereits meinen dritten Marathon in Köln. Und um nachzuzählen, bei wie viel anderen Marathons und diversen Rennen ich seit 2007 mitgemacht habe, muss ich mich schon anstrengen. Damals konnte ich mir bei besten Willen nicht vorstellen, dass Inliner so einen riesigen Platz in meinem Leben gewinnen. Trägt Köln auch die Schuld daran? Bestimmt.

Das Wetter war gestern, sagen wir, nicht gerade passend zum skaten. Zwar nicht so kalt, wie letztes Jahr, aber die Straßen waren nass, der Himmel war grau und der Regen wartete nur auf den Startschuss, um all die Leute da unten auch nass zu machen. Typisches Wetter in Köln halt.

Ich wartete in meinem gelben Startblock in der Hoffnung, dass der Regen den Startschuss doch verpasst und es wird mindestens nicht schlimmer. Sebastian Baumgartner erklärte uns währenddessen, dass die Regenrollen speziell für Rennen in Köln entwickelt wurden. Ich glaube ihm gern, ich habe sogar die Dinge an. In Essen und Koblenz haben sie mir geholfen, mal sehen, ob sie auch in Köln standhalten.

Zuerst starteten die Profis, dann wurden auch wir an die Strecke geschickt. Die ersten Meter in Köln sind immer wie Karneval – laute Musik überall, jubelnde Menschen an beiden Seiten der Straße und der Zug bewegt sich langsam nach vorne. Aber diesmal bin ich selbst in dem Zug mittendrin, und ich habe keine Bonbons dabei. Sorry, Leute.

Mein Ziel bei dem Rennen war lediglich die eigene “Kölsche Bestzeit” von 2 Stunden zu knacken. Letztes Jahr hat es nicht geklappt, diesmal schien mir das Ziel machbar zu sein. Ich musste nur meine letzten Erfahrungen in Berlin berücksichtigen. Leicht gesagt. Ich glaube langsam, ein Marathon-Rennen ist für mich mehr ein Kampf mit mir selbst, als mir anderen Skater. Eine Teil von mir, die Berlin schon vergessen hat, sagte immer: “du muss jetzt Gas geben”. Andere Teil, die sich an die Schmerzen noch erinnerte, schimpfte nur: “sei doch wieder nicht blöd”. Zwei tolle Gesprächspartner in einem Kopf. So was macht immer Laune.

Kurz nach dem Start habe ich eine Gruppe mit ein paar bekannten Gesichten von den Kölner Roll-Möpsen eingeholt. Ganz nach dem Motto “nie wieder alleine Skaten” schloss ich mich hinten an. Nachhinein war das eine kluge Entscheidung. So dürfte ich gute zwei drittel der Strecke bequem im Windschatten fahren. Nur die niedrige Geschwindigkeit machte mir ab und zu sorgen, was immer zu merkwürdigen inneren Dialogen führte, besonders als wir nach 57 Minuten 21 km passierten. Das war für das gesetzte Ziel bisschen zu knapp.

Aus den schweren Verhandlungen mit mir selbst kam dann die Entscheidung heraus, die Gruppe spätestens beim erreichen der Amsterdamer Straße zu verlassen. Das tat ich auch, aber ich tat es schweren Herzens; es schien mir keine gute Taktik zu sein, die Gruppe so einfach auszunutzen und dann davon zu laufen. Es tut mir Leid, Leute. Es war nett hinter Euch zu skaten, und ich hoffe, ich werde auch mal in der Lage, Euch guten Windschatten anzubieten.

Die letzten Kilometer verliefen dann nicht mehr so gemütlich. Ich war mehr oder weniger allein unterwegs, es regnete, aber die Teil von mir, die Gas geben wollte, triumphierte. Die schwarzen Rollen taten ihre Arbeit erstaunlich gut, das Gefühl des Fliegens war da und das Leben war wundervoll. Es kamen Rudolfplatz, Neumarkt, die Deutzer Brücke und der obligatorische rote Teufel darauf, und dann – der Finish. 1:51:44. Geschafft! Die Bestzeit für die Kölner Strecke ist um 10 Minuten verbessert worden. Stark. Nur an die eckige Medaille muss ich mich noch gewöhnen. Wie war das, “das Runde muss ins Eckige”? Oder war das aus einem anderen Lied? Egal – Hauptsache, ich habe wieder was zum angeben gekriegt. Was braucht man mehr?

Und wann kann man sich eigentlich für den nächsten Marathon in Köln anmelden?

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