Eiszeit

by consta on Oktober 5, 2011

Unglaublich, aber es ist schon ein halbes Jahr seit dem letzen Posting hier vergangen… Man könnte fast annehmen, der Autor hat kein Bock auf Speedskating mehr und sein Blog ist längst gestorben. Nein, die beiden Annahmen stimmen nicht. Mindestens die erste, die mit dem Speedskating. Ob das Blog noch lebt, wird die Zeit zeigen.

Den heutigen Post widme ich dem Thema Eisschnelllauf. Am 1. Oktober wurde in Köln der neue Lentpark geöffnet – eine Ereignis, auf die ich seit mindestens einem Jahr gewartet habe. Am 3. Oktober stand ich drin, auf dem Eis und mit den zitternden Beinen.

Lentpark

Ersten Aufklärungsbesuch habe ich am Samstag abgelegt, gleich nach der Marathon-Messe, erstmal ohne Equipment.

Die neue Gebäude ist groß und schön, die Empfangsdamen sind nett und höflich, sie ernsthaft versuchen meine komischen Fragen zu verstehen und mir weiter zu helfen:

„Darf ich mit meinen langen schnellen Kufen hier überhaupt rein?“
„Ja, sicher Sie dürfen.“
Klasse! Mindestens habe ich sie nicht umsonst gekauft.

„Kann ich meine langen schnellen Kufen hier schleifen lassen?“
„Aber natürlich, wir schleifen hier alle Kufen.“
Da bekomme ich Zweifel. Ich habe schon nämlich versucht die Kufen in Grefrath mal schleifen zu lassen, beim dortigen Schittschuhverleih-Meiser – ohne Erfolg. Der hat mich damals direkt zu den Speedkater geschickt, mit dem Verweis – “solche Kufen sollen die schleifen, die davon Ahnung haben”. Mir bleibt die Hoffnung, dass hier im Lentpark jemand diese Ahnung hat.

„Gibt es schon die Zeiten, wann man hier so richtig schnell fahren darf?“
„Nein, Sie dürfen in jeder Zeit kommen und so schnell fahren, wie Sie nur können.“
Oh ja, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schnell ich fahre. Ich bin gestern 42 km unter 1:30 gefahren. Zwar auf Rollen, aber es ist fast das gleiche. So cool ich bin. Punkt.

„Gibt es Eisschelllauf-Vereine, die hier regelmäßig trainieren?“
„Ja, die Vereine gibt es, aber wir haben erst aufgemacht, da können noch nichts zu den Trainingszeiten sagen.“
Na gut, immerhin. Ich dachte mir, alle Eisschnellläufer der Umgebung haben unter sich schon längst die Trainingszeiten ausgemacht noch bevor der Grundstein vom Lentpark gelegt wurde. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.

Aber das lustigste an all diesen Fragen war, dass ich dabei ernsthaft glaubte, ich kann auf dem Eis schnell laufen. Ha! Da habe ich wohl meinen ersten, und bis jetzt einzigen Versuch vergessen, Eisschnelllauf zu beherrschen. Das war letztes Jahr, im Eissportzentrum Grefrath, und es war ein Desaster. Während all die Profis dort fliegend Runde für Runde zurücklegten, lieferte ich so eine Art Eiertanz an der Bahnrande ab. Es sah bestimmt sehr lustig aus. Und wer hat Schuld, wenn bei einem erfahrenen Sportler irgendwas nicht klappt? Equipment natürlich, was sonst? In dem Fall wusste ich ganz genau – meine Kufen sind Stumpf und müssen erstmal geschliffen werden.

Am Montag, ungeachtet auf den Muskelkater – eine Folge des ungewöhnlich-schnellen Köln-Marathons am Tag davor, stehe ich pünktlich um 9 Uhr vor den Türen der Eishalle. Hier muss man erwähnen, im Lentpark gibt es noch eine Schwimmhalle, aber ich bin heute definitiv nur wegen des Eises hier.

Am Eingang feuere ich noch mal die gleiche Frage zum schleifen ab, dabei zeige ich den Damen das, was ich unter “langen und schnellen Kufen” verstehe. Das beeindruckt sie offensichtlich so stark, dass mir der Eismeister hochpersönlich bestellt wird. Er guckt sich meine Kufen an, macht eine skeptische Miene und sagt mir ehrlich – wofür ich ihm sehr dankbar bin – dass er mit solchen Kufen keinerlei Erfahrung hat. Man könne zwar versuchen, aber es gebe keine Garantie, dass danach die Kufen einsatztauglich bleiben. Der Eismeister meinte auch, die Kufen sehen doch ziemlich scharf aus… Das weckt in mir den Verdacht, dass meine bisherige Misserfolge im Eisschnelllauf können auch an mir liegen. Also, verzichte ich erst mal auf das Schleifen.

Den Eintritt bezahle ich mit meiner goldenen Kölner-Bäder-Karte (so eine Vorteilskarte, die ich dank meiner Vorliebe zum schwimmen besitze). Die Karte senkt den Eintrittspreis von 7.50 auf 6 Euro für zwei Stunden. Auch gut.

Die Umkleidekabinen befinden sich im Untergeschoss, in dem gleichen Raum mit dem Schlittschuhverleih. Dort hängt übrigens ein Schild, wo drauf steht: “Wir schleifen nur Hobby-Kufen. Alles anderes – auf Anfrage”. Ok, das mit der Anfrage habe ich schon versucht. Zum Verleih werden übrigens auch nur Hobby-Schlittschuhe angeboten, nichts für Eisschnelllauf.

Ich ziehe mich zügig um, und laufe zwei Stöcke nach oben zu dem Eishochbahn. Man kann auch einen Aufzug nehmen, aber die richtigen Sportler benutzen doch nur die Treppen, richtig?

Oben angekommen ziehe ich mir meine Schuhe an, und ab auf das Eis… Und in dem Moment wird mir klar – mit dem schnellen Fahrt wird es heute wieder nichts. Meine Füsse machen auf dem Eis alles mögliches, nur nicht das, was ich von denen will. Die drehen sich plötzlich, oder rutschen gern zur Seite. Mit grosser Mühe erreiche ich die erste Kurve. Zum Glück es ist noch ziemlich früh, ich bin alleine und kein Mensch sieht, wie ich mit dem Eis kämpfe. Vorsichtig schaffe ich die erste lange Gerade.

Die Eishochbahn im Lentpark hat die Form eines Dreiecks, an den zwei längeren Seiten gibt es zwei Buchten mit Bänken zur Erholung. Die Bahn selbst ist 260m lang und 8m breit, allerdings vor den Buchten wird sie um ein Paar Meter schmaler. Entlang der kürzeren Seite liegt unten der Eisstadion, in der Ecke gegenüber – die Schwimmhalle, die von der Eishochbahn mit Glass abgeschirmt ist. Es ist schon lustig zu skaten und dabei Leute beobachten, die entweder Eishockey spielen, oder im Schwimmbecken kraulen. Natürlich nur in dem Fall, wenn man beim Skaten nicht verzweifelt versucht seine Füsse unter Kontrolle zu halten.

Und das ist keine leichte Aufgabe. Mittlerweile merke ich, dass meine Kufen mindestens einmal geschliffen worden sind – sie weisen ganz offensichtlich den sogenannten “Bogenschliff” auf (über das schleifen von Kufen kann man übrigens hier im Speedskating-World Forum nachlesen). Nach den Inline-Skates ist es schon spannend zu merken, dass man auf dem Eis nicht nur seitlich balancieren muss, sondern in allen möglichen Richtungen. Mir scheint es so zu sein, dass man auf einem winzigen Punkt gleitet, der sich irgendwo an der Kante befindet.

Ich bleibe aber weiterhin tief in meiner Eisschlacht versunken, und das Eis gibt langsam den Kampf auf. Ich stelle erstaunlich fest, dass das Skaten nach jeder Runde besser klappt. Langsam traue ich mich, in den Kurven zu übersetzen. Kurz danach fange ich an, die Zeit der Runden zu stoppen. Das macht Spass, jede Menge Spass. 260 m in 40, 37, 36 sec… Wow! Und als ich mich schon fast als Profi-Eisschnellläufer fühle, da kommt plötzlich ein kleines Kind auf die Eisfläche, und skatet direkt vor mir, mit meiner harterarbeiteten Top-Geschwindigkeit, aber rückwärts! Und lächelt mich dabei an… Na toll. Da merke ich, dass mittlerweile wesentlich mehr Leute um mich herum mitskaten, dabei sind etliche Levels vertreten. Es ist zwar noch nicht voll, aber man muss schon aufpassen.

Gegen 11 Uhr ist meine Zeit um, ich packe die Skates und gehe zufrieden nach Hause. Hinter mir bleibt der neue Lentpark und mein erstes Eis-Training in dieser Saison. Man kann fast sagen – das erste Eis-Training in meinem Leben.

Faszit

Eis ist cool. Eis macht Spaß. Eisschnelllauf ist gerade voll dabei, bei mir den zweiten Platz unter meinen beliebtesten Sportarten einzunehmen. Der neue Lentpark hilft dabei enorm. Ich glaube immer noch nicht, dass wir jetzt so was cooles hier in Köln haben. Im Moment kann ich es mir gut vorstellen, ein-zwei mal pro Woche abends auf der Eishochbahn ein paar Runden zu drehen. Ich weiß nicht, ob man dadurch besser auf den Rollen skaten wird, aber wie gesagt – Eisschnelllauf macht Laune, und das ist das einzige, was zählt.

Das mit dem Schleifen denke ich mittlerweile – meine Kufen sind noch scharf genug. Rasieren kann man sich damit zwar nicht, aber vom Fingernagel kann man locker was abkratzen. Klar ist – Eisschnelllauf muss erstmal gelernt werden, und das passiert eben nicht während der ersten Stunde.

Ich bin gespannt, wie die Nutzung der Eishochbahn im Lentpark sich entwickelt. Ob die Trainingszeiten festgelegt werden, wann nur Speedskater unterwegs sind, oder wird es immer gemischt geskatet. Oder bleibe ich der einzige Quasi-Speedskater dort, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann.

Zwischendurch habe ich noch die Bahn im Lentpark gefilmt. Hier ist das große Kino, viel Spaß beim Mitskaten!

Links

Lentpark
Vorteilskarte
Eissportzentrum Grefrath
Speedskating-World Forum
YouTube Video: Meine erste Runde Im Lentpark

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